Samstag, 04. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 04.02.2012 um 22:25 Uhr


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Tierschutz

Die Katzen-Flut

Überall warten auch noch viele kleine Katzen auf ein neues Zuhause – diese hier im privaten Gnadenhof! Fotos: Wenzel

Überall warten auch noch viele kleine Katzen auf ein neues Zuhause – diese hier im privaten Gnadenhof! Fotos: Wenzel

Über 100 Katzen im Katzenhaus Luttertal, über 100 Katzen im Tierheim auf der Hufe – die Tierschützer haben in diesem Jahr ein echtes Katzenproblem. So viele herrenlose Katzen gab es noch nie! Das Tierheim beschloss bei rund 150 Tieren einen Aufnahmestopp, nahm nur noch „absolute Notfälle“ auf. Die Leiterin des Katzenhauses, Monika Bossmann, brachte das nicht übers Herz und so sind in beiden Häusern jetzt deutlich mehr Stubentiger untergebracht als eigentlich hineinpassen. Im Luttertal tummeln sich die Schützlinge bis ins Wohnzimmer der Heimleiterin!

(star) Das Tierheim Göttingen hat den Aufnahmestopp jetzt wegen „leichter Entspannung“ aufgehoben, aber: „Jetzt werden die kleinen Herbstkatzen geboren, dann werden wir wohl wieder große Probleme bekommen“, so Leiterin Sabine Kober.
In beiden Einrichtungen ist man sich einig: So schlimm war das Katzenproblem noch nie! Beide vermuten, dass die Gründe vor allem finanzieller Natur sind. „Die Leute haben weniger Geld und das erste, was gehen muss, ist dann das Haustier“, so Kober. An Katzen hängen die Menschen dabei oft nicht so sehr wie an Hunden.

„Eine Kastration, die bei einer weiblichen Katze knapp 100 Euro kostet, ist vielen zu teuer geworden. Da nehmen sie lieber Nachwuchs in Kauf und der landet dann bei uns. Die Lage ist in diesem Jahr katastrophal, nicht einmal alle jungen Katzen konnten vermittelt werden“, so Hannelore Thied, die Landesvorsitzendes des Bund gegen Missbrauch der Tiere (bmt), der Träger des Katzenhauses ist.
Oft würden Katzen aus sehr fragwürdigen Gründen nicht kastriert. Etwa weil sie dann angeblich keine Mäuse mehr jagen (was nicht stimmt) oder weil es besser für die Katze sei, einmal Junge zu haben. Thied: „Auch das ist schlichtweg falsch. Empfohlen wird, Katzen vor der ersten Rolligkeit zu kastrieren!“

Ein großes Problem stellen die wildlebenden Katzen dar, die dringend kastriert werden müssten, da sie sich unkontrolliert vermehren. Wer zahlt für ihre Kastration? Das Katzenhaus schafft es kaum, alle Schützlinge durchzufüttern und auch das Tierheim kann Kastrations-Aktionen nicht mehr komplett aus eigener Tasche finanzieren. Sabine Kober: „Wir beteiligen uns durchaus an den Kosten, aber eigentlich können wir uns das gar nicht mehr leisten.“
Aus Angst davor, etwas dazugeben zu müssen, melden sich die, die wilde Katzen durchfüttern, zu spät beim Tierschutzverein. „Erst kommen drei Katzen zur Futterstelle und wenn es dann 20 sind, wird es den Katzenpaten zu viel und wir bekommen einen Anruf. Dabei wäre es natürlich viel einfacher gewesen, drei Katzen zum Tierarzt zu bringen als 20“, ärgert sich die Tierheimleiterin.
So richtig zuständig sei eben niemand für die streunenden Katzen. „Die Kommunen müssen sich mal Gedanken machen, ob sie sich nicht über ihre Veterinärämter an Kastrationsaktionen beteiligen. Das würde sich auch rechnen, denn für die wilden Katzen, die als Fundtiere im Tierheim landen, müssen die Kommunen am Ende ja doch aufkommen“, fordert Hannelore Thied.

Viele Katzen auch da, wo eigentlich alte Hunde ihren Lebensabend verbringen: Im privaten Gnadenhof in Werxhausen! „Die Menschen wissen, dass wir herrenlosen Tieren helfen und so landeten dieses Jahr auch mehrere trächtige Katzen bei uns“, so Leiter Andreas Honz. Auch er sieht große Probleme mit den Stubentigern: „Es gibt durchaus Möglichkeiten, wildlebende Katzen günstig kastrieren zu lassen. Aber aus Angst, das Ganze bezahlen zu müssen, werden die Katzen nicht gemeldet, bis sie sich heftig vermehrt haben.“ Und: „Viele schaffen sich einen Kater an. Nach dem Motto: Der kriegt ja keine Jungen. Dabei sollte bekannt sein, dass der aber durchaus an der Produktion von Katzennachwuchs beteiligt ist...“
Der private Gnadenhof hat die hier abgebildete fröhliche Rasselbande zu vermitteln. Wer sich für ein kleines Kätzchen interessiert, meldet sich heute ab 10 Uhr unter Telefon 0 55 27 / 84 03 93.
Melden können sich hier auch Leute, die dem privaten Gnadenhof ein neues Zuhause bieten können! Denn in Werxhausen müssen Honz und seine Schützlinge ausziehen. Gesucht wird ein Haus oder Resthof zur Miete oder Mietkauf. Honz: „Es darf gerne ein renovierungsbedürftiges Gebäude sein, muss nur Platz für eine Familie mit vielen Tieren bieten.“

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