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Huhtamaki Göttingen schliesst
Finnischer Frost verschärft die soziale Kälte
Hilflos müssen Belegschaft, deren Angehörige, die Politik und die Verwaltung der Stadt Göttingen mit ansehen, wie ein börsennotierter Konzern handelt, wenn die Zahlen an einem Standort nicht stimmen. Vom finnischen Konzern Huhtamaki wird innerhalb der nächsten zwei Jahre in Göttingen nichts mehr zu sehen sein. Das Aus für den Standort in Weende ist für den Vorstand beschlossene Sache. Mindestens 540 Arbeitnehmer verlieren ihren Job.
„Wir stehen unter konstantem Druck, müssen konkurrenzfähig bleiben“, berichtete Salonen den Betriebsangehörigen – ohne jegliche Regung. „Die Kosten in Deutschland ist sehr hoch und wir haben beschlossen, eine Schließung zu organisieren.“
Schon jetzt wird geplant, wie das 100 000 Quadratmeter große Gelände zu veräußern ist, ein städtischer Umweltbeauftragter hat sich bereits informiert. Die bisher in Göttingen produzierten Eis- und Margarineverpackungen, die sollen demnächst in Süd- oder Osteuropa produziert werden. Bereits jetzt haben Dienstleister von Huhtamaki in ihren Betrieben Stellen gestrichen.
Unterstützung für die Belegschaft von Huhtamaki gibt’s aus breiten Teilen der Bevölkerung. „Ich habe eiskalte Hände, das liegt wohl an der sozialen Kälte hier vor dem Werkstor“, so die SPD-Landtagsabgeordnete Gabriele Andretta, die zusammen mit vielen anderen, vorwiegend sozialdemokratischen, Politikern die Demonstration der Huhtamaki-Mitarbeiter begleitete. Doch mit den Politikern sind die Betroffenen wenig zufrieden. „Was machen denn die Sch... politiker hier, die helfen uns ja sowieso nicht“, so erzürnte Betriebsangehörige.
Symbolisch wurde Huhtamaki Göttingen vom Betriebsgelände bis zum Alten Rathaus zu Grabe getragen. Dort gab’s eine vom DGB organisierte Kundgebung. „Wir bejammern eine einseitige Entscheidung des Managements, das Werk zu schließen“, so Huhtamaki-Betriebsrat Walter Stelzl. „Leidtragende sind nun die 540 Mitarbeiter, die hier stehen.“ Stelzl sprach in diesem Zusammenhang auch von gravierenden Managementfehlern.
„Man kann ja gar nicht so schnell Arbeitsplätze schaffen, wie sie abgebaut werden“, beklagt der SPD - Landtagsabgeordnete Thomas Oppermann forderte die Solidarität von Stadt und Land. „Die SPD hat das Recht, die rote Fahne zu tragen, schon lange verloren“, so ein aufgebrachter Zwischenrufer – die Nerven liegen ziemlich blank.
„Alles, was in unserer Macht steht, das wollen wir tun. Wir müssen alle zusammen stehen“, so drückte Oberbürgermeister Jürgen Danielowski die Verbundenheit der Stadt mit den Huhtamaki-Mitarbeitern aus. Aus Hann. Münden, von Haendler & Natermann, einem ebenfalls verpackungsproduzierender Betrieb, war der Betriebsratsvorsitzende Frank Baake nach Göttingen gekommen. Er fasste die Prinzipien, die aktuell den Markt beherrschen, einfach zusammen: „Die, die schon alles haben, die wollen immer mehr!“ Er bedauerte, dass die Solidarität in Göttingen noch etwas zu wünschen übrig ließe. „Normalerweise hätte jeder Laden hier in der City schließen und auch jeder Inhaber mitdemonstrieren müssen, denn wer soll noch bei ihnen kaufen?“
Aus der Landeshauptstadt meldeten sich die CDU-Landtagsabgeordneten Harald Noack und Fritz Güntzler, „Wir stehen hinter der Belegschaft. Für Fehler der Unternehmensführung dürfen nicht die „Kleinen“ büßen. Der Standort Göttingen muss erhalten bleiben, dafür kämpfen wir auch in Hannover.“
„Wieder ein harter Schlag für die Region Göttingen“, so der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Niedersächsischen Landtag, Stefan Wenzel. Für die Region Göttingen sei die geplante Werksschließung ein Weckruf. Bereits bei der Verlagerung der Huhtamaki - Logistik nach Kassel hätten die Alarmglocken läuten müssen. „Nun muss die Realisierung des Güterverkehrszentrums beschleunigt werden, um die logistische Infrastruktur der Region endlich nachhaltig zu verbessern“, fordert Wenzel.
„Den Solidaritätsbekundungen der Vertreter der großen Parteien am Mittwoch müssen konkrete Taten folgen", so der DGB-Regionsvorsitzende Martin Gertenbach. „Wir laden alle, die der Belegschaft in ihrem Kampf helfen wollen, dazu ein, am Dienstag,17. Mai um 17 Uhr im Gewerkschaftshaus Göttingen über die nächsten Schritte zu beraten."



