Samstag, 04. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 04.02.2012 um 23:11 Uhr


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Einmietebetrüger entlarvt

Im Schlaf verhaftet

Mit seinem richtigen Namen und gegen Vorlage eines Personalausweises mietete sich der Mann bei „Wölfi‘s“ ein. Weil der mutmaßliche Betrüger auch noch fleißig auf Hotelkosten telefoniert hatte, kam ihm Wolfgang Fischer auf die Spur. Foto:

Mit seinem richtigen Namen und gegen Vorlage eines Personalausweises mietete sich der Mann bei „Wölfi‘s“ ein. Weil der mutmaßliche Betrüger auch noch fleißig auf Hotelkosten telefoniert hatte, kam ihm Wolfgang Fischer auf die Spur. Foto:

Intensive Ermittlungen eines 69 Jahre alten Hotelbesitzers aus Göttingen haben am Mittwochmittag gegen 12 Uhr in einem Hotel in der Hannoverschen Straße zur Festnahme eines mutmaßlichen 24 Jahre alten Einmietbetrügers geführt. Soweit die offizielle Polizeimeldung. Dahinter steckt ein dreister Betrug und ein geschädigter Hotelbetrieb, der sein Geld wohl nie sehen wird. Wolfgang Fischer von Göttingens Kult-Restaurant „Wölfi‘s“ war es, der die Polizei direkt zum Betrüger führte. Ein schwacher Trost bei rund 400 Euro Schaden. Und: „Wegen so abgezockter Verbrecher traut man seinen Gästen nicht mehr!“

(star / Göttingen) Am 24. Oktober erschien der in der Göttinger Disco- und Kneipenszene gut bekannte 24-jährige Göttinger in Wölfi‘s Bierstuben, zu dem auch ein renommiertes Hotel gehört. „Eigentlich wohnen hier keine Göttinger, aber weil ich dachte, der Mann sei in einer Notlage, habe ich ihm ein Zimmer gegeben, nachdem er seinen Personalausweis vorgelegt hatte“, berichtet Wolfgang Fischer.
Die Geschichte hatte sich der Einmietbetrüger gut ausgedacht: „Er sei gerade aus dem Spanien-Urlaub gekommen und seine Wohnung habe unter Wasser gestanden. Solange der Schaden repariert wird, solle er sich ein Hotelzimmer nehmen – das habe ihm sein Hauswirt gesagt. Der wollte angeblich auch die Hotelkosten begleichen.“
Ein durchaus glaubwürdiges Szenario und so genoss der junge Mann das schöne Hotelzimmer mit leckerem Frühstück in der Güterbahnhofstraße. Nach ein paar Tagen drängte das Ehepaar Fischer auf Bezahlung. Der junge Mann habe daraufhin die Rechnung verlangt und wollte zu seinem Hauswirt gehen um das Geld zu holen. „Da haben wir ihn zum letzten Mal hier gesehen“, so Wolfgang Fischer. Der junge Mann schaffte es noch, heimlich seine sieben Sachen zusammenzupacken und war weg.
So einfach kam er aber nicht davon. Wolfgang und Helga Fischer suchten ihn an seiner angeblichen Adresse: „Da gab es nicht einmal einen Briefkasten mit seinem Namen.“ Da der 24-Jährige aber fleißig auf Kosten des Hotels telefoniert hatte (für insgesamt 23 Euro!), kamen ihm die Fischers dann doch auf die Spur: „Zuerst hatten wir eine Handynummer, an der sich eine Frau meldete, die keinerlei Auskunft geben wollte. Die nächste Telefonnummer war eine in Göttingen.“ Es stellte sich heraus: Es war die Rufnummer eines Hotels in Weende.
Hier hatte sich der Mann als Monteur ausgegeben – der Chef sollte die Hotelkosten zahlen... Am späten Vormittag lag der „Gast“ hier noch im Bett, hatte noch nicht mal das bestellte Frühstück zu sich genommen. „Weckt ihn bloß nicht auf, wir kommen gleich mit der Polizei“, baten die Fischers und machten sich mit uniformierter Unterstützung auf den Weg. Aus dem ergaunerten Bett heraus wurde der Mann verhaftet.
Polizei-Pressesprecherin Jasmin Kaatz: „Dem Geschäftsmann gebührt ein Lob. Durch sein schnelles Handeln hat er möglicherweise andere Göttinger Hotels vor finanziellen Einbußen bewahrt.“ Selber wird Fischer aber wohl auf dem Schaden sitzen bleiben: „Bei der Verhaftung hat ihn die Polizei noch gefragt, ob er die soeben verbrachte Nacht zahlen könne und er sagte, er habe kein Geld.“
Nach Polizeiangaben hat der Verhaftete keinen festen Wohnsitz. Trotzdem wurde er „nach Rücksprache mit der Göttinger Staatsanwaltschaft im Anschluss an seine Vernehmung und erkennungsdienstliche Behandlung auf freien Fuß gesetzt“, so Kaatz.
Keine guten Nachrichten für die betrogenen Hoteliers. Fischer jedenfalls würden den Mann lieber hinter schwedischen Gardinen sehen und ist stinksauer auf den Betrüger: „So dreist muss man erst mal sein! Ich an seiner Stelle hätte gar nicht ruhig schlafen können. Eiskalt hat der sich hier von uns verpflegen lassen und hatte nie vor, auch nur einen Cent zu bezahlen...“
Es ist schon eine besondere Gemeinheit, die Freundlichkeit und Service-Orientiertheit von Hotels so auszunutzen. Deshalb arbeiten die Geschäftsleute in der Branche stets zusammen: „Leider kommt Einmietbetrug immer wieder vor. Wir warnen uns dann aber gegenseitig, damit nicht noch andere Hotels Schaden nehmen“, so Wolfgang Fischer. Da Zimmer stets nur gegen Vorlage des Personalausweises vermietet werden, sei diese Masche ohnehin nur kurzfristig von Erfolg gekrönt.

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