Freitag, 10. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 09.02.2012 um 15:44 Uhr


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Frag' den Wissenschaftler

Was unterscheidet Menschenaffen von anderen Affen?

Foto: Arndt

Foto: Arndt

Die Antwort gibt Stefanie Heiduck.

Die Antwort:

Affen – meist kennen wir sie aus dem Zoo: Paviane, Gorillas, Meerkatzen, Schimpansen, Klammeraffen, insgesamt rund 350 Arten. Sie werden in der Säugetierordnung der Primaten zusammengefasst und man bezeichnet sie gern als unsere Vettern. Einige von ihnen werden sogar „Menschenaffen“ genannt. Warum? Und was unterscheidet sie von den anderen Affen?
Zunächst sollten wir die Frage klären, wer zu den heute lebenden Menschenaffen gehört. Die Menschenaffen im weiteren Sinn umfassen zwei Familien: die Kleinen und die Großen Menschenaffen. Als Kleine Menschenaffen bezeichnet man die Familie der Gibbons, die in Südostasien leben. Zu den Großen Menschenaffen zählen die Schimpansen und Gorillas aus Afrika, die Orang-Utans aus Südostasien und wir, Homo sapiens, der Mensch.
Aus welchem Grund werden Menschen, Schimpansen, Gorillas und Orang-Utans in einer Familie zusammengefasst? Zunächst wurde eine solche Einordnung anhand von körperlichen Merkmalen vorgenommen, die diese Gruppe von anderen unterscheidet. Das auffälligste Merkmal: Menschenaffen haben keinen Schwanz. Sie sind in der Regel größer und schwerer als andere Affen und halten sich aufrechter. Der Brustkorb ist breiter und das weiter hinten angesetzte Schultergelenk ermöglicht eine große Beweglichkeit der Oberarme. Im Gegensatz zu den anderen Affen sind die Arme der Menschenaffen länger als ihre Beine. Der Mensch stellt in diesem Fall eine Ausnahme dar. Ein wesentliches Merkmal ist, dass das Gehirn der Menschenaffen im Verhältnis zum Körper deutlich größer ist als bei den anderen Affen. Um ein derart komplexes Gehirn zu entwickeln, sind Schwangerschaft sowie Jugendzeit bis zum Erwachsenenalter deutlich verlängert.
Zu diesen äußerlichen Merkmalen der Verwandtschaft ist durch die Entwicklung molekularbiologischer Methoden in neuerer Zeit die Möglichkeit der Verwandtschaftsanalyse anhand genetischer Übereinstimmungen der Arten hinzugekommen. Zudem lässt sich aufgrund relativ konstanter Mutationsraten bestimmter Gene, eine „molekulare Uhr“ erstellen. Mit Hilfe dieser „Uhr“ kann der ungefähre Zeitpunkt ermittelt werden, an dem der letzte gemeinsame Vorfahre zweier Arten lebte.
Die Urform aller Primaten hat demnach vermutlich vor ca. 80 bis 90 Millionen Jahren, d.h. noch zur Zeit der Dinosaurier, gelebt. Im Laufe der Evolution entstanden immer weitere Primatenarten. Viele starben aus, andere spalteten sich wiederum in neue Arten auf. Vor ca. 25 Millionen Jahren erfolgte dann die Abspaltung der Menschenaffen von den übrigen Affen. Die verwandtschaftlichen Beziehungen innerhalb der heute lebenden Menschenaffen stellen sich folgendermaßen dar: Der Orang-Utan spaltete sich vor ca. 15 Millionen Jahren von den übrigen Menschenaffen ab und ist folglich der mit dem Menschen am wenigsten verwandte Menschenaffe. Vor etwa neun Millionen Jahren erfolgte die Abspaltung der Gorillas. Unsere direkten und nächsten Verwandten sind die Schimpansen, mit denen wir nach molekularbiologischen Untersuchungen 98,4 Prozent unserer Gene teilen. Der letzte gemeinsame Vorfahre von Mensch und Schimpanse lebte vor ca. 6 Millionen Jahren.
Übrigens ist der Mensch die einzige Menschenaffenart, die nicht vom Aussterben bedroht ist.
Stefanie Heiduck
















Foto: DPZ

Die Wissenschaftlerin:

Dr. Stefanie Heiduck (44) hat in Göttingen Biologie mit dem Schwerpunkt Zoologie studiert und 1997 promoviert. Für ihre Dissertation untersuchte sie die Nahrungsökologie von Springaffen im Atlantischen Küstenregenwald in Brasilien. Nach der Promotion verbrachte Stefanie Heiduck einige Zeit an der „Australian National University“ in Canberra, wo sie die chemische Zusammensetzung der Nahrung von Koalas und Possums untersuchte. Zurzeit leitet sie die Spezialbibliothek Primatologie am Deutschen Primatenzentrum.

„Frag’ den Wissenschaftler“ mit Unterstützung des Max-Planck Institutes für Dynamik und Selbstorganisation

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