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Frag' den Wissenschaftler
Wie kommt es zu großflächigem Stromausfall?
Die Antwort gibt Andreas Sorge.
Die Antwort:

Foto: privat
Der Wissenschaftler:
Andreas Sorge (28) hat in Hamburg, Göttingen und Canterbury (Neuseeland) Physik und Mathematik studiert. Seit 2009 promoviert er in der Forschergruppe „Netzwerk-Dynamik“ des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. In seinem Forschungsprojekt geht es darum, die Dynamik von Stromnetzwerken besser zu verstehen, um Stromausfälle besser vorhersagen und verhindern zu können, und um das Stromnetz für erneuerbare Energien zu optimieren.
„Frag’ den Wissenschaftler“ mit Unterstützung des Max-Planck Institutes für Dynamik und Selbstorganisation
Im November 2006 kam es in Europa zu einem riesigen Stromausfall: Große Teile Deutschlands, Frankreichs, Belgiens, Italiens, Österreichs und Spaniens waren betroffen. Bis zu zwei Stunden lang waren etwa 15 Millionen Haushalte ohne Strom. Ursache war eine über die Ems gespannte Hochspannungsleitung in Ostfriesland, die für die Überführung eines Kreuzfahrtschiffes ausgeschaltet wurde. Doch das ist natürlich nur die halbe Wahrheit. Denn wie kann das Abschalten einer Hochspannungsleitung in Norddeutschland dafür verantwortlich sein, dass in Spanien die Menschen für einige Zeit auf Fernseher, Kühlschrank und elektrisches Licht verzichten müssen?
Das europäische Stromnetz ist im Grunde ein einziger, riesiger Organismus. Alle Kraftwerke und alle Verbraucher sind über Ländergrenzen hinweg miteinander vernetzt. Für den alltäglichen Betrieb ist dies ein riesiger Vorteil. Wird irgendwo in Europa plötzlich deutlich mehr oder deutlich weniger Strom benötigt, kann im Prinzip europaweit jedes Kraftwerk reagieren und entweder einen Generator dazu- oder abschalten.
Die Kommunikation in diesem riesigen Netzwerk gelingt über die Frequenz des eingespeisten Stroms. Grundsätzlich erzeugen alle Generatoren Strom mit einer Frequenz von 50 Hertz. Zudem werden alle Generatoren mit einer festen Phasenbeziehung betrieben. Das heißt: Die einzelnen Generatoren erzeugen ihren Strom in einem festgelegten Takt. Die Situation ist vergleichbar mit dem Singen eines Kanons: Die einzelnen Stimmen setzen versetzt ein und halten diesen festen Abstand bei. Wird nun irgendwo beispielsweise mehr Strom benötigt, sinkt die Frequenz innerhalb des gesamten Netzes minimal ab. Die Betreiber der Kraftwerke erkennen dies sofort und können Gegenmaßnahmen ergreifen.
Doch dieses von außen gesteuerte Zusammenspiel birgt auch Gefahren. Denn das Erstaunliche am Stromausfall von 2006 ist nicht die Größe der betroffenen Region. Vielmehr verwundert, dass das Abschalten der Hochspannungsleitung geplant war und natürlich von den Netzbetreibern zuvor simuliert wurde. Doch das Netz reagierte anders als gedacht: Durch das Abschalten einer Hochspannungsleitung verteilte sich die Stromlast anders auf die verbleibenden Leitungen als erwartet. In der Folge waren einige Leitungen überlastet, fielen aus – und erzeugten so eine Lawine weiterer Überlastungen und Ausfälle.
Dass das Netz ganz anders reagierte als geplant, beweist vor allem eines: Das Stromnetz ist ein außerordentlich komplexes System, das immer als Ganzes betrachtet werden muss. Und in den nächsten Jahren wird sich durch den Ausbau der erneuerbaren Energien auch die Struktur des Stromnetzes verändern. Weg von relativ wenigen, großen Kohle- oder Atomkraftwerken, hin zu vielen kleinen verteilten grünen Stromerzeugern wie etwa Windrädern und Solaranlagen.
Das europäische Stromnetz ist im Grunde ein einziger, riesiger Organismus. Alle Kraftwerke und alle Verbraucher sind über Ländergrenzen hinweg miteinander vernetzt. Für den alltäglichen Betrieb ist dies ein riesiger Vorteil. Wird irgendwo in Europa plötzlich deutlich mehr oder deutlich weniger Strom benötigt, kann im Prinzip europaweit jedes Kraftwerk reagieren und entweder einen Generator dazu- oder abschalten.
Die Kommunikation in diesem riesigen Netzwerk gelingt über die Frequenz des eingespeisten Stroms. Grundsätzlich erzeugen alle Generatoren Strom mit einer Frequenz von 50 Hertz. Zudem werden alle Generatoren mit einer festen Phasenbeziehung betrieben. Das heißt: Die einzelnen Generatoren erzeugen ihren Strom in einem festgelegten Takt. Die Situation ist vergleichbar mit dem Singen eines Kanons: Die einzelnen Stimmen setzen versetzt ein und halten diesen festen Abstand bei. Wird nun irgendwo beispielsweise mehr Strom benötigt, sinkt die Frequenz innerhalb des gesamten Netzes minimal ab. Die Betreiber der Kraftwerke erkennen dies sofort und können Gegenmaßnahmen ergreifen.
Doch dieses von außen gesteuerte Zusammenspiel birgt auch Gefahren. Denn das Erstaunliche am Stromausfall von 2006 ist nicht die Größe der betroffenen Region. Vielmehr verwundert, dass das Abschalten der Hochspannungsleitung geplant war und natürlich von den Netzbetreibern zuvor simuliert wurde. Doch das Netz reagierte anders als gedacht: Durch das Abschalten einer Hochspannungsleitung verteilte sich die Stromlast anders auf die verbleibenden Leitungen als erwartet. In der Folge waren einige Leitungen überlastet, fielen aus – und erzeugten so eine Lawine weiterer Überlastungen und Ausfälle.
Dass das Netz ganz anders reagierte als geplant, beweist vor allem eines: Das Stromnetz ist ein außerordentlich komplexes System, das immer als Ganzes betrachtet werden muss. Und in den nächsten Jahren wird sich durch den Ausbau der erneuerbaren Energien auch die Struktur des Stromnetzes verändern. Weg von relativ wenigen, großen Kohle- oder Atomkraftwerken, hin zu vielen kleinen verteilten grünen Stromerzeugern wie etwa Windrädern und Solaranlagen.

Foto: privat
Der Wissenschaftler:
Andreas Sorge (28) hat in Hamburg, Göttingen und Canterbury (Neuseeland) Physik und Mathematik studiert. Seit 2009 promoviert er in der Forschergruppe „Netzwerk-Dynamik“ des Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation. In seinem Forschungsprojekt geht es darum, die Dynamik von Stromnetzwerken besser zu verstehen, um Stromausfälle besser vorhersagen und verhindern zu können, und um das Stromnetz für erneuerbare Energien zu optimieren.
„Frag’ den Wissenschaftler“ mit Unterstützung des Max-Planck Institutes für Dynamik und Selbstorganisation


