Donnerstag, 09. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 08.02.2012 um 02:49 Uhr


Leserservice

Haben Sie Fragen, Anre- gungen oder Probleme mit der Zustellung?

Extra Tip Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9:00 - 18:00 Uhr
Prinzenstraße 10-12
37073 Göttingen

Klausner-Sägewerk schließt

Adelebsen ist abgesägt

Hilfe aus dem Landtag nicht gewünscht? Ronald Schminke (SPD) musste das Klausner-Werksgelände am Freitag unverrichteter Dinge wieder verlassen. Foto: Wenzel

Hilfe aus dem Landtag nicht gewünscht? Ronald Schminke (SPD) musste das Klausner-Werksgelände am Freitag unverrichteter Dinge wieder verlassen. Foto: Wenzel

Freitag um 11 Uhr schlug die Schicksalsstunde für rund 200 Angestellte des Klausner-Sägewerks in Adelebsen. Ihnen wurde verkündet, dass das Werk schließt. Das ist das ganz dicke Ende nach vielen Schlagzeilen, die die Klausner-Gruppe mit ihrem niedersächsischen Werk gemacht hat: Nicht eingehaltene Bebauungspläne, Beschwerden über Lärmbelästigung, dann große Finanzprobleme und Kurzarbeit Null, das Sägewerk stand seit Monaten still. Jetzt ist klar: Es geht nicht weiter. Das ist ganz bitter für die Mitarbeiter, die zunächst elf (!) Jahre unter Insolvenzverwaltung tagtäglich um ihre Jobs bangen mussten, sich 2006 über den Verkauf an Klausner freuten und nur drei Jahre später ging es in die Kurzarbeit...

(Adelebsen / star) Ab Dienstag sprach es sich in Adelebsen herum wie ein Lauffeuer: Außerordentliche Betriebsversammlung am Freitag im Sägewerk, das könne nichts Gutes bedeuten... Zumal auffiel, dass die Firma Schilder am Eingang zum Werk abgebaut hatte. Beim ExtraTiP klingelte mehrfach das Telefon, E-mails wie diese von Klausner-Angestellten erreichten die Redaktion: „Ihr hattet mal als Schlagzeile „Wird Adelebsen abgesägt?“ Ich wollte euch nur sagen, dass es jetzt wohl so werden wird, am Freitag ist bei Klausner Betriebsversammlung, HKS hat seine Wachmannschaft erhöhen müssen und heute sind die Obersten von Klausner auf dem Gelände ‘rumgelaufen.“

Am Freitag ab halb elf waren dann regelrechte Autoschlangen zu sehen, die von der Adelebser Umgehungsstraße aufs Sägewerksgelände abbogen. Die Fahrer der Autos allesamt mit versteinerten Mienen, sie ahnten nichts Gutes. Auch der SPD-Landtagsabgeordnete Ronald Schminke war gekommen. Er hatte kurzfristig alle Hebel in Bewegung gesetzt und nachgeforscht, wie man den Klausner-Mitarbeitern helfen kann. „Die Schließung des Werks kann man wohl nicht mehr verhindern, aber es gibt einige Töpfe, aus denen man den Mitarbeitern hier noch helfen kann, zum Beispiel mit Fördermitteln aus dem Europäischen Sozialfonds. Jetzt muss alles versucht werden, um einen anständigen Sozialplan auszuhandeln“, so Schminke. Er bot seine Hilfe an – wollte das zeitnah gleich vor Ort tun, aber: „Der Betriebsratsvorsitzende hat mir eine Abfuhr erteilt. Das ist ein Ding! Ein Mann, der doch alles für die Mitarbeiter tun sollte!“
Landtagsabgeordneter und ExtraTiP wurden des Betriebsgeländes verwiesen. Der Betriebsrat war auch nicht gewillt, mit Schminke allein zu sprechen. Der war entsprechend empört: „Da heißt es immer, die Politik ist nicht da, wenn es den Menschen dreckig geht. Ich bin hier, habe mich extra ausführlich vorbereitet und werde einfach weggeschickt!“

Ronald Schminke sieht Niedersachsens Wirtschaftsminister Bode in der Pflicht. Für die Arbeitnehmer von Klausner gehe es jetzt darum, möglichst schnell sinnvolle Hilfen für Qualifizierungsmaßnahmen zu organisieren. Der Betriebsrat habe bereits die Verhandlungen mit der Geschäftsleitung über eine Transfergesellschaft und einen Sozialplan aufgenommen. Schminke, der von 1991 bis 2007 Geschäftsführer der Gewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt war: „Dem Betriebsrat und den Arbeitnehmern biete ich in dieser schwierigen Lage meine Unterstützung auch für Verhandlungen mit der Geschäftsführung an!“ Was den Landtagsabgeordneten ärgert: „In Uelzen wurde nach meinem Kenntnisstand trotz massiver Überkapazitäten ein neues Sägewerk mit Landesmitteln gefördert, während man in Adelebsen nun über 200 Arbeitnehmer in die Arbeitslosigkeit entlässt.“

Um 13.24 Uhr war es ganz offiziell: Die Klausner-Gruppe gab die Schließung des Werkes in Adelebsen per Pressemitteilung bekannt: „Das im Jahre 2006 von Klausner aus dem Konkurs heraus übernommene und in der Folge vollständig erneuerte Sägewerk in Adelebsen wird die Produktion nicht wieder aufnehmen. “ Bereits im Frühjahr 2009 habe es die weltweite Wirtschafts- und Absatzkrise erforderlich gemacht, die Produktion in Adelebsen einzustellen. Die Mehrzahl der circa 200 Beschäftigten befindet sich seit Mai 2009 in Kurzarbeit Null. „Das Andauern der Krise und der wachsende Rohstoffmangel in Deutschland machen es nun unmöglich, die Produktion wieder aufzunehmen“, so Konzernsprecherin Anne Leibold.
„Seit der Übernahme und dem Ausbau des Werkes durch Klausner sind im Umkreis weitere Sägekapazitäten aufgebaut worden, anders als in unserem Fall zum Teil auch mit staatlicher Förderung. Die vorhandene Rundholzmenge reicht nicht aus, diese Kapazitäten dauerhaft zu versorgen. Es bleibt uns daher keine andere Wahl“, beschreibt Geschäftsführer Leopold Stephan die Zwänge, die seiner Meinung nach zur beabsichtigten Schließung führen. Die Geschäftsleitung kündigte an, „unverzüglich“ Verhandlungen mit dem Betriebsrat aufzunehmen und beabsichtigt, „möglichst vielen Beschäftigten einen Arbeitsplatz in anderen Werken anzubieten“.


Das Schicksal der Klausner-Mitarbeiter steht im Vordergrund, es bleiben aber viele Fragen offen: Was passiert mit dem riesigen aufwändig umgebauten Betriebsgelände? Nach ExtraTiP-Informationen wird das Werk abgebaut und in Einzelteilen verkauft. Und dann war da auch noch der Radweg zwischen Adelebsen und Offensen, an dem sich die Firma finanziell beteiligen wollte...

zurück