Leserservice
Haben Sie Fragen, Anre- gungen oder Probleme mit der Zustellung?
Extra Tip Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9:00 - 18:00 Uhr
Prinzenstraße 10-12
37073 Göttingen
Schützenplatz
Bomben-Flohmarkt
In der Nacht von Donnerstag auf Freitag fand die größte Evakuierungsaktion in der Geschichte Göttingens statt, auf dem Schützenplatz wurde eine Zehn - Zentner - Bombe entschärft. Alles lief reibungslos. Und die Stadt stellte in Aussicht, dass sich die ganze Aktion am Dienstag wiederholen kann, es wurde vermutlich eine zweite Bombe geortet. Am Samstag dann das Unfassbare: Auf dem Schützenplatz tummelten sich bei schönstem Sonnenschein Hunderte auf einem Flohmarkt. Die Standbetreiber breiteten ihre Waren auf hochexplosivem Untergrund aus, die Besucher ebenso ahnungslos, wie auf unserem Foto zu sehen: Hinten links der Bagger an der Fundstelle der Bombe. Hintergrund: In all‘ der Hektik hatte das Ordnungsamt der Stadt Göttingen schlicht und einfach vergessen, den Flohmarktbetreiber zu informieren und die Veranstaltung abzusagen.
Neuer Bombenfund droht!
(Göttingen / bb) Alles war schon aufs Beste hergerichtet, die Göttinger Sport und Freizeit GmbH & Co. KG (kurz GoeSF, die ganz früher einmal Sportamt der Stadt Göttingen war) und ihr Geschäftsführer Alexander Frey wollten einen neuen Impuls für Sport und Freizeit in Göttingen setzen. Dieser Impuls sollte am Donnerstag um 15.30 Uhr auf dem Schützenplatz mit dem Spatenstich für die neue Sportarena Göttingen ausgelöst werden. Doch es kam alles ganz anders.Eine ordentliche Spielverzögerung trat ein, denn der Kampfmittelräumdienst konnte gegen Mittag des Spatenstichtages keine definitive Aussage über ein zu diser Zeit noch bombenverdächtiges Fundstück machen – auch Oberbürgermeister Wolfgang Meyer wollte es den Gästen nicht zumuten, dass sie auf „unsicherem Grund“ stehen. Und so wurde der Spatenstich abgesagt. Rund um den Schützenplatz gibt es wohl noch den ein oder anderen Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg. Und wenn ein solcher ausgerechnet zu den Feierlichkeiten hoch gegangen wäre…
Gegen 16.26 Uhr, der ExtraTiP war gerade vor Ort, plötzlich vermehrte Betriebsamkeit auf dem Schützenplatz. Der Obersprengmeister griff hektisch zum Telefon. Während THW-Pumpen dafür sorgten, dass das Wasser aus dem Loch gepumpt wurde, war sicher: Es handelt sich um eine – noch ziemlich gefährliche – amerikanische Bombe mit Säure-Zünder aus dem 2. Weltkrieg. Vor Ort waren schon das Ordnungsamt der Stadt, die Berufsfeuerwehr und natürlich auch die Polizei. Mit der Sicherheit des Fundes lief ein Großeinsatz der Ordnungskräfte an, denn die Bombe musste vor Ort entschärft werden.
Dafür waren mannigfache Sicherungsmaßnahmen von Nöten. Die gesamte Umgebung wurde großräumig abgesperrt, ein Konzert in der musa musste abgesagt werden, die benachbarte Bahnstrecke wurde ab 22 Uhr gesperrt, im Cinemaxx fielen die Kinovorstellungen aus. Lautsprecherwagen forderten die Bürger auf, ihre Wohnräume zu verlassen. Bis nach Mitternacht ging die Aktion, um 0.55 Uhr war der Spuk vorbei.
Die Bombe wurde mittels eines Wasserstrahlschneidegeräts durch den Kampfmittelräumdienst unschädlich gemacht und abtransportiert. Letztendlich war es vom Bauherrn weise, insgesamt 3000 (!) Bohrungen bis in eine Tiefe von sechs Metern durchzuführen, um den Bau auf Explosivem auszuschließen. Acht verdächtige Stellen gab es, sechs stellten sich als ungefährlich heraus. Eine Bombe wurde gehoben und es gibt noch eine weitere Fundstelle. Sie liegt etwa 40 Meter entfernt in Richtung Godehardhalle.
Hier wird nun zuerst nebenan gebohrt, damit kein Wasser in die Baugrube einlaufen kann, wie das bei der ersten Hebung geschehen war. Man lernt schnell. Es besteht durchaus die Möglichkeit, dass es sich auch hier um ein Andenken an den 2. Weltkrieg handeln könnte. Dann würde die Prozedur mit großräumiger Sperrung noch einmal stattfinden. „Derzeit finden die Bohrungen statt“, bestätigt Frey. „Der Kampfmittelräumdienst wird frühestens wieder am Montag weiterarbeiten!“

Die Sportstadt Göttingen muss sich noch etwas gedulden, bis es mit dem Neubau der Sportarena Göttingen losgehen kann.
2.160 Sitzplätze bei einer Länge von 95 Metern, einer Breite von 45 und einer Höhe von 11,30 Metern wird die Sporthalle, die die benachbarte Godehardhalle ablösen wird, haben. In vier Hallenfeldern kann sich sportlich betätigt werden, auch ein Medienraum fehlt im lichtdurchfluteten Gebäude nicht, das im Passivhausstandard erstellt werden soll. „Ressourcenschonendes Energiekonzept“ nennt das Bauherr Frey. „Etwas ärgerlich ist das Auffinden der Bomben schon, aber noch verschmerzbar“, so Frey. Gravierende Auswirkungen auf die Bautätigkeiten werde das nicht haben, so der GoeSF-Geschäftsführer.
Lob für die Einsatzkräfte
Ein großes Lob hat Göttingens Erster Stadtrat Hans-Peter Suermann als Leiter des am Donnerstag Abend tätigen Stabes allen rund 500 Einsatzkräften ausgesprochen, die aus dem Stand heraus die Evakuierung von bis zu 5000 Menschen im Stadtgebiet rund um den Schützenplatz hervorragend vorbereitet und ausgeführt hätten. Alle Beteiligten hätten mit den städtischen Dienststellen bestens zusammen gearbeitet.Im Einsatz waren die Berufsfeuerwehr, alle 13 Göttinger Ortswehren, das Technische Hilfswerk, der Arbeiter Samariter Bund, das Deutsche Rote Kreuz, die Polizeiinspektion Göttingen, die Bundespolizei, die Deutsche Bahn AG sowie Mitarbeiter der Stadtverwaltung und der Göttinger Verkehrsbetriebe aus Göttingen und Northeim.
Den von der Evakuierung betroffenen Bürgern dankte Suermann für ihr großes Verständnis, für die Anwohner waren Betreuungsstellen in den Sporthallen der Heinrich - Heine - Schule in Grone sowie des Max - Planck - Gymnasiums in der Innenstadt sowie in der Stadthalle eingerichtet worden, zudem konnten sie einen kurzfristig eingesetzten Bus-Shuttle-Dienst nutzen.
„Wir hatten keine Wahl, mussten im Interesse der Sicherheit so handeln“, so Suermann. Gleichzeitig bestätigte auch er, dass es auf dem für die neue Sportarena vorgesehenen Baufeld eine zweite konkrete Verdachtsfläche für einen weiteren Bombenfund gebe. Dem werde jetzt gründlich nachgegangen.
Dass am Dienstag kommender Woche für das Gebiet zwischen Weender Landstraße, Berliner Straße, Groner Landstraße, Levinstraße und Hagenweg erneut eine Evakuierung in den Abendstunden nötig sein werde, sei nicht auszuschließen...


