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Präventions-Aktion
Der Tod ist zu oft der Beifahrer
Obwohl sie nur 7,5 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen, wird etwa jeder dritte schwere Verkehrsunfall von einem jungen Fahrer (18 bis 24 Jahre) verursacht. Deshalb hat sich das Präventionsteam der Göttinger Polizei dazu entschlossen, den jungen Autofahrern die Gefahren bewusst zu machen. Der Koordinator des Teams, Axel Kerschnitzki, besucht in dieser Mission Schulklassen mit einem sehr eindringlichen Vortrag. Diese Woche war er damit zu Gast im Theodor-Heuss-Gymnasium. Um den jungen Autofahrern und Fahrschülern die Gefahr bewusst zu machen, analysiert er mit ihnen Unfälle, die im Landkreis Göttingen im letzten Jahr jungen Menschen das Leben gekostet haben. Schon die Frage „Wer von Euch kennt jemanden, der bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist?“ macht deutlich, wie konkret die Gefahr ist: „Ich war schon in über 300 Schulklassen, aber erst einmal hat sich niemand gemeldet.“ Diesmal ist sogar eine Schülerin dabei, die die Opfer eines der analysierten Unfälle kennt.
Axel Kerschnitzki berichtet von einem Unfall, bei dem ein junger Mann als Fahrer und Unfallverursacher seinen kleinen Bruder und zwei weitere Menschen getötet hat – seine Mutter habe sich wenig später das Leben genommen. Er erzählt, wie es ist, als Polizist den Eltern spät nachts die traurige Mitteilung machen zu müssen... Aber auch, dass vor dem schlimmen Unfall zwei Mädchen den „Arsch in der Hose“ gehabt haben, nicht ins Auto zu steigen – bei einem, der Alkohol getrunken hatte.
Solche Informationen, dazu Unfallfotos und Todesanzeigen machen deutlich: Die, die da umgekommen sind, waren keine Ausnahmen – das kann jedem passieren, Gymnasiasten genauso wie Kfz-Spezialisten von der Berufsschule. Die Gründe sind altbekannt und doch nur schwer zu bekämpfen: Alkohol und Drogen, Leichtsinn, Imponieren mit dem schnellen Auto,... es kann hundertmal gutgehen, aber der Tod fährt garantiert auch mit und regelmäßig kommt es zum Schlimmsten. Keiner weiß das besser als ein Polizist, für den Verkehrstote und schwer Verletzte zum Berufsalltag gehören.
Natürlich weiß Kerschnitzki (Foto) auch, wie sich junge Fahranfänger schützen können. Kein Alkohol, keine Drogen – und das aus guten Gründen. Alkohol macht leichtsinnig und risikobereit, dass wissen die Schüler. „Was viele nicht wissen: Die von Drogen erweiterten Pupillen sorgen dafür, dass man vom Gegenverkehr so geblendet wird, dass man orientierungslos ist. Wer so Auto fährt, ist verantwortungslos und noch schlimmeres“, so Kerschnitzki.
Was aber machen die, die auf einen Fahrer angewiesen sind? Zuhause mit den Eltern einen 50 Euro-Schein deponieren, mit dem man im Notfall den Taxifahrer bezahlen kann, so ein Rat des Verkehrssicherheitsexperten. Und wenn man schon im Auto sitzt und der Fahrer fährt, als gäbe es kein Morgen? Kerschnitzki: „Sagt: Ich muss mich gleich übergeben! Das wirkt immer, weil der Fahrer um seine Innenausstattung fürchtet. Dann kann man aussteigen.“ Und besser Blasen an den Füßen als mit dem Auto am Baum landen...
Vorsicht ist geboten, Leichtsinn ist gefährlich. Kerschnitzki: „Zum Beispiel Schilder mit „Tempo 50 bei Nässe“ – die werden oft nicht ernst genommen. Solche Schilder werden aber erst aufgestellt, wenn es auf dieser Straße schon zu Unfällen gekommen ist. Wenn Ihr solche Schilder seht, bedeutet das, dass hier schon Menschen verletzt wurden oder sogar gestorben sind. Daran müsst Ihr immer denken!“
Großes Gefahrenpotential birgt auch die mangelnde Erfahrung der jungen Autofahrer. Hier empfiehlt der Experte ein Verkehrssicherheitstraining über die Verkehrswacht: „Dabei lernt man, auf gefährliche Situationen ganz automatisch zu reagieren und Spaß macht es auch noch!“


