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Die Nase läuft, die Augen brennen
Heuschnupfen ist das Thema der ersten Sprechstunde von Universitätsmedizin Göttingen und ExtraTiP. Foto: irisblende.de
Einmal im Monat ist ab sofort Sprechstunde im ExtraTiP. Experten der Universitätsmedizin beantworten Leserfragen zu Erkrankungen und anderen medizinischen Themen. Bei der heutigen Premiere geht es um eine zurzeit allgegenwärtige Erkrankung, die nicht zu überhören ist: Heuschnupfen. Oder korrekter: Um den allergischen Schnupfen. Die Augen brennen, die Nase juckt und läuft bis hin zur Atemnot – sobald die Blütenpollen mit den Schleimhäuten der Heuschnupfen-Geplagten in der Nase oder am Auge in Berührung kommen, wird all‘ das ausgelöst. Das ist nicht nur unangenehm, sondern eine ernsthafte und oft unterschätzte Erkrankung. Nur zehn Prozent der allergiekranken Menschen in Deutschland werden adäquat versorgt, das schätzt der Ärzteverband Deutscher Allergologen. Betroffene stellten ihre Fragen an Prof. Dr. Thomas Fuchs, Leiter des Bereichs Allergologie an der Universitätsmedizin Göttingen.
Bei der Hyposensibilisierung oder Allergieimpfung wird das Allergen in hoher Dosis verabreicht, in aller Regel drei Jahre lang. Die Wirkung hält bis zu acht Jahre an. Dabei wird das Immunsystem nicht „umgedreht“ oder unempfindlich gemacht, es wird vielmehr auf „normal zurückgedreht“.
Sinnvoll ist das immer dann, wenn man die Symptome nicht in den Griff bekommt, wenn sie drei Jahre hintereinander zunehmen: Die Augen jucken, die Nase läuft, der Patient ist ständig missmutig,... dann drohen schwere Folgeerkrankungen wie Asthma oder andere Allergien, außerdem schränken starke Symptome die Lebensqualität ein.
Was ist von Medikamenten zu halten, mit denen man die Hyposensibilisierung selbst durchführen kann?
Es ist generell dazu zu raten, die Behandlung unter Aufsicht eines Arztes durchzuführen, da die Hyposensibilisierung von Nebenwirkungen begleitet sein kann, die beobachtet werden sollten. Der Arzt weiß genau, was er dem Patienten verabreicht hat und welche Nebenwirkungen normal sind. Wer selbst einnimmt und dann Fragen hat, kann keine schnelle und klare Lösung seiner Probleme erwarten.
Außerdem glaube ich, dass die Aufsicht durch den Arzt wichtig ist, um die Motivation zu haben, drei Jahre lang durchzuhalten.
Gibt es vorbeugende Maßnahmen gegen Heuschnupfen? Zum Beispiel Kinder lange stillen?
Nein, eine Vorbeugung gibt es leider nicht. Entweder man hat diese Veranlagung oder nicht. Wenn beide Elternteile Allergiker sind, ist das Kind mit 60-prozentiger Wahrscheinlichkeit auch Allergiker. Babys zu stillen ist ungemein wichtig – dass das aber auch Allergien vorbeugt, ist heute widerlegt.
Was nutzt den Allergikern die Pollenflugvorhersage?
Man kann sich auf die Symptome vorbereiten, rechtzeitig seine Medikamente besorgen. Die Vorhersagen beinhalten aber auch viele unnütze Informationen wie den Flug von Pappel- oder Lindenpollen. Auf die ist eigentlich niemand allergisch. Relevant sind vor allem Pollen von Birke, Erle, Hasel, aber auch von Gräsern und Beifuß sowie Schimmelpilzsporen.
Bei uns in Südniedersachsen noch nicht aktuell, aber wohl nicht aufzuhalten, sind die stark allergieauslösenden Pollen des Traubenkrauts – in Amerika inzwischen der Auslöser Nummer 1 beim allergischen Schnupfen.
Ist Heuschnupfen wirklich gefährlich?
Ja! Denn er kann zu schweren Folgeerkrankungen führen. Allen voran das allergische Asthma, das den Patienten quasi zum „Krüppel“ macht – er leidet unter starker Atemnot, kann keine Treppen mehr steigen, keinen sportlichen Aktivitäten mehr nachgehen.
Oft folgen sehr gefährliche Nahrungsmittelallergien. Birkenpollenallergiker entwickeln zum Beispiel häufig eine Nahrungsmittelallergie gegen Haselnüsse oder Steinobst. Dann prickelt es im Mund beim Verzehr dieser Früchte, juckt bis in die Ohren. Dabei kann es zu schlimmen Schwellungen kommen, die durchaus zu Atemnot und auch zum Tod führen können.
Ich bin Allergiker und Raucher, schade ich mir besonders?
Ein klares Ja! Rauchen reizt und schädigt die Schleimhäute, damit ist ein wichtiger Schutzschild defekt, allergieauslösende Stoffe und andere Giftstoffe haben „freien Eintritt“.
Was ist ihr grundsätzlicher Rat an alle, die an Heuschnupfen leiden?
Immer einen Arzt aufsuchen, der „Allergologie“ auf seinem Praxisschild stehen hat. Nicht ohne so einen Arztbesuch in die Apotheke gehen. Nicht auf Hausmittel oder alternative Heilmethoden vertrauen, die lindern höchstens die Symptome. Die Allergie muss vom Facharzt genau bestimmt und untersucht werden, um entscheiden zu können, ob und welche Maßnahmen ergriffen werden müssen. Auch Hausärzte unterschätzen oft die Gefahr, die vom Heuschnupfen ausgehen kann. Eine Hyposensibilisierung kann schwere Folgeerkrankungen verhindern.
Prof. Dr. Thomas Fuchs leitet an der Universitätsmedizin Göttingen den Bereich Allergologie. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des Ärzteverbandes Deutscher Allergologen e.V. (www.aeda.de).
