Donnerstag, 09. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 08.02.2012 um 02:49 Uhr


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Göttingen

Eine Spange spaltet die Stadt

Knapp 600 Demonstranten trafen sich zur Menschenkette gegen die Südspange... Foto: Roth

Knapp 600 Demonstranten trafen sich zur Menschenkette gegen die Südspange... Foto: Roth

Weil Göttingens Süden schwer unter der Blechlawine leidet, die sich Werktag für Werktag durch Geismar quält, wird schon sehr lange über eine Entlastung durch den Bau einer neuen Straße gestritten. Zugespitzt hat sich das jetzt auf die so genannte Südspange als Lösungsvorschlag. Dabei handelt es sich um eine Verbindung von der B 27 / Reinhäuser Landstraße – Abzweigung stadteinwärts gesehen ein Stück vor der Drachenwiese – zur Ortsumgehung Rosdorf. Sieben bis acht Millionen Euro würden diese Südspange kosten. Ob sie gebaut werden soll oder nicht, darüber können alle Wahlberechtigten in der Stadt Göttingen zurzeit abstimmen.

(Göttingen / star) Dass das Thema bewegt, zeigte gestern eine Aktion der Südspangen-Gegner: Die Grüne Jugend, die an diesem Wochenende in Göttingen ihren Bundeskongress hat, protestierte mit einer Resolution und einer Luftballonaktion gegen den Bau. Knapp 600 Menschen stellten mit schwarzen Luftballons in der Hand den geplanten Verlauf der Straße nach – und ließen die Ballons steigen – „um sichtbar zu machen, wieviel klimaschädliches CO2 vom Autoverkehr auf der Südspange ausgehen würde.“ Zu ihnen gesellten sich viele Göttinger, die so gegen die Südspange demonstrierten.

Die einen würden sich sehr über weniger Verkehr vor der Haustür freuen, andere aber befürchten eher mehr Verkehr vor ihrer Haustür. Vor allem aber führt die Südspange mitten durch das Naherholungsgebiet der Geismarer direkt am beliebten Flüthedamm entlang.
Es gibt Montagsdemos für die Südspange, die Bürgerinitiative gegen die Straße hat 2500 Unterschriften gesammelt. Die Politik ist zerstritten, die Meinungen haben im Laufe der Jahre durchaus mal gewechselt, Geld ist eigentlich auch keins da,... ein Stück Klarheit soll jetzt die Bürgerbefragung bringen.

Soll die Stadt Göttingen eine Umgehungsstraße („Südspange“) zwischen der B 27 und der Ortsumfahrung Rosdorf bauen? – Das werden die etwa 95.000 Wahlberechtigten der Stadt Göttingen gefragt. Die Abstimmung läuft über die Gemeindewahlleitung der Stadt Göttingen als Briefwahl.
Und schon daran gibt es Kritik: Die Pendler, die über Göttingens Süden fahren, möchten auch gefragt werden!

Was spricht für den Bau?
Zunächst einmal wäre die Südspange ganz einfach eine Verbesserung des Straßennetzes, der Verkehr (auch angesichts des kommenden Vollausbaus der Autobahnabfahrt Mengershausen) könnte zügiger rollen. Zahlreiche Anwohner am Sandweg, der Danziger und Stettiner Straße sowie der Reinhäuser Landstraße, der Geismar Landstraße und des Rosdorfer Weges würden sich über deutlich weniger Lärm, Dreck und Gestank durch Autos freuen.
Durch die Entlastung des Sandweges würde auch dieser Teil des Kiessees ruhiger und schöner werden.

Was spricht gegen den Bau?
Da der Verkehr an sich durch den Bau einer Straße nicht weniger wird, würden nach dem Bau der Südspange andere Menschen mehr Verkehr vor der Haustür haben. Und bei weitem nicht für jedes Auto, das durch Geismar rollt, wäre die neue Straße nutzbar: „Ein großer Teil des Verkehrs hat seinen Ursprung und Ziel im Stadtgebiet oder lässt sich als Durchgangsverkehr schwer umleiten“, formuliert es die Stadt im Pro und Contra auf dem Stimmzettel.
Was aber viele Bürger richtig auf die Palme gegen die Südspange bringt, ist ihr Verlauf mitten durch das Naherholungsgebiet und Landschaftsschutzgebiet südlich des Kiessees. Am idyllischen Flüthedamm würden die Autos auf der Südspange vorbeirauschen.

Bereits im Februar letzten Jahres haben sich die Göttinger Naturschutzverbände (Biologische Schutzgemeinschaft, BUND, Naturschutzbund) „mit aller Entschiedenheit“ gegen das Straßenbauprojekt Südspange ausgesprochen. Zahlreiche Tier- und Pflanzenarten seien in Gefahr, darunter mehrere Vogelarten, die auf der Roten Liste stehen. Die Naherholung zu Fuß oder per Rad käme durch die Südspange „komplett zum Erliegen“, die Menschen müssten auf Gebiete ausweichen, die nur mit dem Pkw erreichbar sind.
Große Kritik der Naturschützer auch am Plan, die Straße auf dem rund drei Meter erhöhten Flüthedamm zu bauen: Die Südspange würde eine „lärmende, das gesamte Landschaftsbild entstellende Straße“ sein. Kritik auch an der geplanten Brücke über die Leine, auch sie würde den geschützten Lebensraum zahlreicher Vogelarten beeinträchtigen.
All‘ diesen Beeinträchtigungen des Naherholungsgebietes steht nach Meinung der Naturschützer kein nennenswerter Nutzen gegenüber: Die Südspange würde zu keiner spürbaren Entlastung der Reinhäuser Landstraße führen.
Die Naturschützer vermuten ganz andere Absichten hinter den Bauplänen: „Die Südspange ist der westliche Abschnitt der seit langem geplanten, aber derzeit politisch nicht durchsetzbaren Südumgehung. Mit dem Bau der Südspange erhoffen sich deren Befürworter, dass Fakten geschaffen werden, die auch den Bau der östlichen Hälfte zwischen der Steinmetzkurve und der Bundesstraße 27 als zwingende Notwendigkeit erscheinen lassen.“

So, jetzt sind die Wähler gefragt! Aber nicht, dass Sie glauben, Sie entscheiden, ob die Südspange gebaut wird: Rechtlich verbindlich ist das Ergebnis nicht. SPD und Grüne haben aber erklärt, dass sie sich an das Ergebnis der Abstimmung halten wollen – wenn mindestens 20 Prozent Wahlbeteiligung erreicht werden. „Auch die CDU sieht das Votum als bindend an“, so der Vorsitzende des CDU-Stadtvderbandes, Holger Welskop. Er appelliert an die Bürger, sich zu beteiligen: „Das ist die Chance der Bürger, ihre Meinung direkt zu äußern! Denn eins ist klar: Fällt das Votum gegen die Südspange aus, ist das Projekt damit gestorben.“



Fotoalbum

  • Menschenkette gegen die Südspange

    Die Grüne Jugend und viele Göttinger mit Kindern, Hunden, Fahrrädern trafen sich zur Protestaktion gegen die Südspange. Die Luftballons sollten den CO2-Ausstoß symbolisieren, den der Verkehr hier verursachen würde.

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