Donnerstag, 09. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 08.02.2012 um 02:49 Uhr


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Projekt hilft „Bildungsfernen“ beim Schulabschluss

Geht doch! Schüler
nutzen ihre 2. Chance

Bildungsfern? Von wegen! – Alle PIA-Schüler haben bestanden und damit bewiesen, dass jeder eine zweite Chance verdient. Foto: privat

Bildungsfern? Von wegen! – Alle PIA-Schüler haben bestanden und damit bewiesen, dass jeder eine zweite Chance verdient. Foto: privat

Sie galten als hoffnungslose Fälle und haben jetzt eindrucksvoll das Gegenteil bewiesen: Das Göttinger Projekt PIA für junge Erwachsene konnte diese Woche einen Riesen-Erfolg feiern: 15 so genannte „bildungsferne“ Jugendliche haben in dem Qualifizierungsprojekt erfolgreich ihre Prüfungen zum Hauptschulabschluss bestanden, zum Teil sogar mit Einser-Durchschnitt! Sie werden nach den Sommerferien eine Ausbildung beginnen oder ihren Realschulabschluss nachholen. 17 hatten angefangen, zwei mussten aus gesundheitlichen Gründen aufgeben und alle anderen haben bestanden! Das wurde natürlich gebührend gefeiert – am Mittwoch mit einem Klassenausflug in den Serengeti - Park und dann am Freitag mit einer Abschlussparty.

(Göttingen / star) Was sind bildungsferne Jugendliche und warum haben sie auf „normalem“ Weg keinen Schulabschluss geschafft? Da gibt es ganz unterschiedliche Gründe. Bei einer Schülerin gab es familiäre Probleme und mehrere Schulwechsel schon in der Grundschule. Da gibt es junge Mütter, die zu viele Fehlzeiten angehäuft hatten, Schüler mit Alkohol- und Drogenproblemen und solche, die von Mitschülern (oder Lehrern) gemobbt wurden. Eine Schülerin wurde von den Ämtern als „lernbehindert“ eingestuft und macht jetzt noch den Realschulabschluss! Und da gibt es einen jungen Mann aus dem Kosovo mit Sprachproblemen, dem ein Lehrer ins Gesicht sagte, er müsse nichts lernen, er würde ja sowieso wieder abgeschoben werden!

„Unser Schulsystem schafft es einfach nicht, Schüler mit solchen Problemen zu unterstützen. Einmal durchs Raster gefallen, stehen die Jugendlichen vor einem Riesenberg von Aufgaben und Problemen und es fehlt das Selbstvertrauen, das anzugehen. Dabei können sie das – sie brauchen nur ein bisschen Anleitung und Unterstützung“, so Projektleiterin Katharina Simon. Dazu gehört, dass sie einen Schüler auch mal persönlich zur Prüfung abholt oder jungen Müttern bei der Suche nach Kinderbetreuung, anderen bei bürokratischen Angelegenheiten hilft. Kleine Hilfestellungen mit großer Wirkung.

Einmal durch erste Erfolge angespornt seien viele über sich hinausgewachsen: „Ich denke zwei von ihnen werden es bis zum Abi­tur schaffen.“ Sieben Schüler machen jetzt noch den Realschulabschluss, drei haben bereits Ausbildunsgverträge unterschrieben. Andere gehen für längere Praktika in Betriebe – mit berechtigten Hoffnungen auf eine Ausbildung. Neben den Hilfestellungen durch die Projektleitung brauchte es auch engagierte Lehrer. „Der Unterricht hier lief viel lockerer ab, es gab mehr Unterstützung und Hilfe. Ich kann das Projekt nur weiterempfehlen“, berichtet Aya, die von einer Stuttgarter Firma zu einem vierwöchigen Praktikum eingeladen wurde.

Ein toller Erfolg für das Projekt, die Schüler haben gezeigt, das sie alles andere als „hoffnungslose Fälle“ sind. Deshalb wird das PIA-Projekt im nächsten Jahr wieder stattfinden – dann im Haus der Kulturen am Hagenweg. PIA ist ein Netzwerkprojekt für junge Erwachsene mit und ohne Migrationshintergrund. In PIA erwerben so genannte bildungsferne, nicht mehr Schulpflichtige zwischen 18 und 25 Jahren und im ALG II-Bezug nachträglich den Hauptschulabschluss. In einjährigen Kursen qualifizieren sich 25 bis 30 Jugendliche durch Unterricht und betriebliche Praxis auf dem ersten und zweiten Arbeitsmarkt.
Seit September 2009 durchliefen die Teilnehmer des PIA-Projektes neben dem Schulkurs verschiedene Qualifizierungsmodule (zum Beispiel Konflikttraining, Interkulturelles Training, Bewerbungstraining mit EDV), absolvierten Praktika in Werkstätten, gemeinnützigen Organisationen und Betrieben, arbeiteten an einem Kulturprojekt mit und konnten so ihre Stärken erkennen und aufbauen. Projektziel ist der Übergang der Jugendlichen in Ausbildung oder Beschäftigung. Und das hat ja mal hundertprozentig geklappt.

Herzlichen Glückwunsch zu diesem Erfolg!

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