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Kultur in Finanznot
GSO vor dem Aus!
Die Situation beim Göttinger Symphonie Orchester ist dramatisch. Die Stadt droht wegen finanzieller Probleme ihr berühmtes GSO und Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller zu verlieren. Foto: Wenzel
Irgendwie jammern die Kulturschaffenden ja immer über zu wenig Geld. Aber jetzt wird die Lage für viele kulturelle Einrichtungen wirklich dramatisch. Diese Woche funkte das renommierte und international anerkannte Göttinger Symphonie Orchester SOS. Wegen eingefrorener und gekürzter Zuschüsse sei das Orchester „akut gefährdet“.
Trotz des überdurchschnittlichen Eigenanteils (22,46 Prozent / durchschnittlich wären es 17 Prozent) müsse das GSO mit Zuschusskürzungen rechnen. Aktuell hätte die Ratsmehrheit die vom GSO beantragte Erhöhung des Zuschusses gestrichen, das Haushaltskonsolidierungskonzept des Oberbürgermeisters sieht sogar eine Kürzung vor.
Gelder aus öffentlicher Hand erhält das Orchester außerdem vom Landkreis und vom Land – der Vertrag mit Niedersachsen laufe 2011 aus: „Mit einer Erhöhung können wir da auch kaum rechnen“, so Kallmann. Selbst wenn alle Zuschüsse auf dem aktuellen Niveau gehalten werden könnten, wäre nur Zeit gewonnen. Denn auch das Einwerben von Sponsorengeldern sei angesichts der Wirtschaftskrise schwieriger geworden.
Erschwerend kam der Tarifabschluss für die Musikergehälter dazu, der rückwirkend ab 2008 gilt. Summa sumarum mache allein dieser Posten rund 220.000 Euro zusätzliche Kosten für das GSO aus: „Das können wir nicht leisten!“, so Kallmanns klare Worte.
Zurzeit verhandele das Orchester mit der Deutschen Orchestervereinigung (die Musikergewerkschaft) um einen Haustarifvertrag zu erreichen. Sprich: Die GSO-Musiker sollen zumindest auf einen Teil des erhöhten Tarifs verzichten...
Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller stellte klar, dass die GSO-Führung auf keinen Fall die Tariferhöhung grundsätzlich ablehne: „Es geht es ja beileibe nicht darum, dass sich jetzt jeder Musiker ein dickes Auto leisten kann. Das sind alles sehr hart arbeitende, hoch qualifizierte Menschen. Sie haben Wochenend - Arbeit, müssen viel Geld für die Instrumenten-Pflege ausgeben, haben ein hohes Gesundheitsrisiko,... ohne den Tarifabschluss stehen sie auf dem Niveau von 2004 da.“
Die höheren Gehälter sind aber vom GSO nicht zu leisten. Das könnte dramatische Folgen haben: „Gute Leute verlassen ein Orchester, wenn sie keine Zukunftsperspektive sehen“, warnt Mueller. Wenn sich die Zuschuss-Situation nicht ändere, sei das GSO „akut gefährdet“.
Dabei trage das Orchester schon alles zur Verbesserung seiner finanziellen Situation bei, was möglich sei: Die Anzahl der Musiker sei das „absolute Minimum“, bei den zahlreichen Gastspielen werde regelmäßig ein Überschuss erzielt. Mueller: „Wir spielen über 110 Konzerte im Jahr – im Schnitt also jeden dritten Tag eines und das in vollen Sälen. Mehr geht nicht!“
Von Kulturdezernentin Dagmar Schlapeit-Beck gab es nach so vielen klaren Worten das Gegenteil eines klaren Statements. Man wolle die Kulturlandschaft erhalten, aber: „Das Sparen kann an der Kultur nicht spurlos vorbeiziehen.“ Sie hofft auf eine vorübergehende Krise, die Bürgerschaft müsse sich mehr engagieren. „Wir wollen keine Schließungs-Diskussion“, so Schlapeit-Beck.
Diese Ausführungen gefielen den beiden Ex-Oberbürgermeistern Rainer Kallmann und Jürgen Danielowski (2. Vorsitzender des Trägervereins) nicht. Kallmann monierte die Tendenz der Politik, „jedem nur ein bisschen weh zu tun“. Eine Taktik, die keinem wirklich helfe.
Danielowski sieht es genau so und führte aus, dass jetzt Entscheidungen getroffen werden müssten: „Um das GSO zu erhalten, ist eine Erhöhung der Zuschüsse notwendig. Wir brauchen jetzt feste Zusagen, nicht nur von der Stadt, sondern auch vom Landkreis und dem Land. Wenn weniger Geld da ist, muss man sich halt entscheiden: Das wollen wir und das wollen wir nicht.“
Und dass Göttingen sein GSO behalten will, sollte keine Frage sein. Die GSO-Verantwortlichen appellieren an die Politik, aber auch an die Bürger in Stadt und Landkreis Göttingen, sich jetzt für ihr Orcheser stark zu machen. „Kultur ist ein Lebensmittel – das ist wahr, bleibt aber nur eine leere Phrase, wenn man jetzt nicht auch handelt“, so Kallmann.

