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Rosdorfer im Bahnchaos inklusive Klima-Skandal
Im schnellsten Backofen der Welt
Defekte Klimaanlagen in den ICEs gingen bundesweit durch die Presse. Auch der Rosdorfer Dieter Eikenberg war unter den Betroffenen. Er ärgert sich nicht nur darüber, dass es Pannen gab, sondern vor allem darüber, wie die Deutsche Bahn mit ihren Gästen umgeht.
Für die Rückreise von Bremen nach Göttingen hatte Eikenberg bereits mehrere Tage zuvor eine Fahrkarte IC/EC erworben – mit Umsteigen in Hannover. Angesichts der hohen Temperaturen entschied er sich aber um. Für einen Aufpreis von nur 9 Euro konnte er in einem voll klimatisierten ICE direkt nach Göttingen durchfahren. „Es sollte bei der Vorfreude bleiben“, so Eikenberg.
Die Reise begann schon mit Problemen, die Anzeige der Platzreservierungen funktionierte nicht – erst gab es demnach gar keine Reservierungen, dann plötzlich doch: Großes Gerangel bevor der Zug überhaupt fuhr. Aber irgendwann ging es los und irgendwie hatte jeder einen Platz gefunden. Die Durchsage offerierte den Gästen derweil unter anderem heiße Gerichte im Bordrestaurant. Eikenberg: „Ansonsten ist es auch ziemlich heiß: Das Abteil ist mangelhaft klimatisiert – wir fügen uns in unser Schicksal, es ist gerade noch erträglich.“
Kurz vor Hannover wird es durch eine Durchsage dramatisch: „Laut aber zittrig: Achtung, eine wichtige Durchsage für alle: Wir sollen sofort den Zug verlassen, bloß nicht unsere Sachen vergessen und in den Zug umsteigen, der gleich auf diesem Gleis ankommen werde. Die zittrige Stimme der durchsagenden Dame lässt Raum für Fantasien. Jemand vermutet, hier könne so etwas wie eine Bombendrohung vorliegen. Eine Erklärung für den Rauswurf wird es nie geben!“
„Draußen, in glühender Hitze, stellen wir fest, dass der Zug weit bis zum Ende des Bahnsteiges durchgefahren ist. Die Gleisnummer ist von hier aus nicht zu erkennen. Eine Durchsage am Bahnsteig teilt etwas von einer jetzt erfolgenden, „planmäßigen“ Ankunft eines ICEs auf Gleis 4 mit. Mein Reiseziel wird für diesen Zug in Aussicht gestellt. Ich laufe den Bahnsteig entlang, um herauszufinden, wo dieses Gleis ist. Nach kurzer Laufstrecke erkenne ich: Ich bin am genannten Gleis 4. Die Lösung des Rätsels folgt prompt: Der angekündigte ICE läuft langsam ein und stoppt – Gott sei Dank – hinter unserem ursprünglichen Gefährt.“
Aber: Nur in bestimmten Buchstabenbereichen dürfen die Fahrgäste in den neuen Zug einsteigen. Und: Der eingelaufene Zug ist bereits gut gefüllt. „Drinnen herrschen gefühlte Backofentemperaturen. Wir werden also bewusst in einen Raum dirigiert, der geschätzt mindestens auf 50°C vorgeheizt ist. Im Waggon entwickeln sich Diskussionen um Platzreservierungen. Eine Durchsage erzählt, es täte ihnen leid, aber die Sache mit den reservierten Plätzen könne jetzt nicht eingehalten werden. Nicht jeder findet Platz, Gepäckstücke stapeln sich und führen zu Verstopfungen in den Gängen. Familien und Reisegruppen werden auseinander gerissen. Chaos. Trotzdem kommt allmählich Ruhe in die vor Hitze und Aufregung brodelnde Masse. Einige fügen sich in ihr Schicksal, nun trotz großer Hitze stehen zu müssen“, berichtet Eikenberg.
Neue Nachrichten über die Lautsprecheranlage im Zug und der Leidensbericht des Rosdorfers geht weiter: „Alle Reisenden, die keine Platzkarte für diesen Zug haben, müssen diesen bitte wieder verlassen! Der nächste ICE werde schon in etwa einer halben Stunde eintreffen.“ Eikenberg: „Und das Durchsage-Sahnehäubchen: Frau habe aus sicherer Quelle erfahren, dass die Klimaanlage dort – nun etwas vorsichtiger formuliert – „voraussichtlich funktionieren würde“. Die Gehorsamen – so sie denn einen Platz ergattert hatten – erheben sich wieder und verlassen tatsächlich den Zug. Einige andere sind renitent, machen ihrem Unmut Luft, schimpfen über die Deutsche Bahn – wörtliche Zitate lasse ich an dieser Stelle aus Höflichkeit einmal weg – und weigern sich, erneute Wanderungen mit schwerem Gepäck zu unternehmen. Wieder andere ertragen ihr Schicksal still im Stehen.
Das mit der defekten Klimaanlage würde wohl derzeit nicht besser werden, bekommen wir über Lautsprecher mitgeteilt. Auf der Strecke sei eine Reparatur nicht möglich. Es gibt keine Chance für uns Insassen der modernen Plastikzigarren der Bahn, selbst für etwas Luftbewegung zu sorgen. Kein noch so kleines Fenster lässt sich öffnen, kein Ventilator in Betrieb setzen. Fast alle Fahrgäste sehen inzwischen wie gegelt aus. Schräg gegenüber eine Familie mit Kindern, denen die „Suppe am Gesicht herunterläuft“. Eine Weile bewahren sie bewundernswert die Ruhe. Dann doch immer wieder weinende Kinderstimmen aus allen Ecken des Wagens.
Es ist unerträglich heiß! Entspannungsübungen. Die Zeit will nicht vergehen. Durchhalten! – Kurz vor Göttingen schleicht eine Bahnangestellte durch den Gang, in der Hand einen kleinen Karton mit – wenn ich es richtig gesehen habe – einigen Mini-Tetrapacks Saft. Es wäre doch eine gute Idee, geht mir dabei durch den Kopf, eine schöne Geste...
Göttingen: Endlich raus aus der heißen Bahn-Zigarre! Im Kopfbereich des Zuges haben auch einige Bahnmitarbeiter – Lokführer, Bahnbegleiter, ... – den Zug zum Plausch auf dem Bahnsteig verlassen. Gespräche mit Fahrgästen finden nicht statt. Ich unternehme einen Versuch sie anzusprechen: „Wäre es nicht eine gute Idee gewesen, den Fahrgästen kostenlos Wasser anzubieten?“ Keine Reaktion – außer bei den Mitreisenden, die ebenfalls in Göttingen ausgestiegen waren. Hier erntete ich zustimmenden Applaus.
Am Infostand der DB in Göttingen: Erschöpft trage ich die Ereignisse in sachlicher Form knapp vor und bitte um Erstattung des am Bremer Bahnhof gezahlten Zuschlages von 9 Euro. Nicht ein Ton kommt über die Lippen der Dame am Servicestand. Stattdessen hackt Sie wortlos etwas in die Tastatur Ihres Computers. Dann öffnet Sie doch noch Ihren Mund: „Sie müssen Ihre Beschwerde schriftlich einreichen.“ Spricht es und überreicht mir einen visitenkartengroßen Zettel auf dem steht: „Sehr geehrter Fahrgast, Sie haben eine Beschwerde oder eine Anregung für uns, auch über Lob würden wir uns freuen.“
Dieter Eikenberg hat diese Erlebnisse auch der Deutschen Bahn geschildert und um Stellungnahme und Entschädigung gebeten! Um Stellungnahme hat auch der ExtraTiP gebeten – bis heute ist aber keine Antwort gekommen. Vielleicht kommt sie mit Verspätung?!
Die Reise begann schon mit Problemen, die Anzeige der Platzreservierungen funktionierte nicht – erst gab es demnach gar keine Reservierungen, dann plötzlich doch: Großes Gerangel bevor der Zug überhaupt fuhr. Aber irgendwann ging es los und irgendwie hatte jeder einen Platz gefunden. Die Durchsage offerierte den Gästen derweil unter anderem heiße Gerichte im Bordrestaurant. Eikenberg: „Ansonsten ist es auch ziemlich heiß: Das Abteil ist mangelhaft klimatisiert – wir fügen uns in unser Schicksal, es ist gerade noch erträglich.“
Kurz vor Hannover wird es durch eine Durchsage dramatisch: „Laut aber zittrig: Achtung, eine wichtige Durchsage für alle: Wir sollen sofort den Zug verlassen, bloß nicht unsere Sachen vergessen und in den Zug umsteigen, der gleich auf diesem Gleis ankommen werde. Die zittrige Stimme der durchsagenden Dame lässt Raum für Fantasien. Jemand vermutet, hier könne so etwas wie eine Bombendrohung vorliegen. Eine Erklärung für den Rauswurf wird es nie geben!“
„Draußen, in glühender Hitze, stellen wir fest, dass der Zug weit bis zum Ende des Bahnsteiges durchgefahren ist. Die Gleisnummer ist von hier aus nicht zu erkennen. Eine Durchsage am Bahnsteig teilt etwas von einer jetzt erfolgenden, „planmäßigen“ Ankunft eines ICEs auf Gleis 4 mit. Mein Reiseziel wird für diesen Zug in Aussicht gestellt. Ich laufe den Bahnsteig entlang, um herauszufinden, wo dieses Gleis ist. Nach kurzer Laufstrecke erkenne ich: Ich bin am genannten Gleis 4. Die Lösung des Rätsels folgt prompt: Der angekündigte ICE läuft langsam ein und stoppt – Gott sei Dank – hinter unserem ursprünglichen Gefährt.“
Aber: Nur in bestimmten Buchstabenbereichen dürfen die Fahrgäste in den neuen Zug einsteigen. Und: Der eingelaufene Zug ist bereits gut gefüllt. „Drinnen herrschen gefühlte Backofentemperaturen. Wir werden also bewusst in einen Raum dirigiert, der geschätzt mindestens auf 50°C vorgeheizt ist. Im Waggon entwickeln sich Diskussionen um Platzreservierungen. Eine Durchsage erzählt, es täte ihnen leid, aber die Sache mit den reservierten Plätzen könne jetzt nicht eingehalten werden. Nicht jeder findet Platz, Gepäckstücke stapeln sich und führen zu Verstopfungen in den Gängen. Familien und Reisegruppen werden auseinander gerissen. Chaos. Trotzdem kommt allmählich Ruhe in die vor Hitze und Aufregung brodelnde Masse. Einige fügen sich in ihr Schicksal, nun trotz großer Hitze stehen zu müssen“, berichtet Eikenberg.
Neue Nachrichten über die Lautsprecheranlage im Zug und der Leidensbericht des Rosdorfers geht weiter: „Alle Reisenden, die keine Platzkarte für diesen Zug haben, müssen diesen bitte wieder verlassen! Der nächste ICE werde schon in etwa einer halben Stunde eintreffen.“ Eikenberg: „Und das Durchsage-Sahnehäubchen: Frau habe aus sicherer Quelle erfahren, dass die Klimaanlage dort – nun etwas vorsichtiger formuliert – „voraussichtlich funktionieren würde“. Die Gehorsamen – so sie denn einen Platz ergattert hatten – erheben sich wieder und verlassen tatsächlich den Zug. Einige andere sind renitent, machen ihrem Unmut Luft, schimpfen über die Deutsche Bahn – wörtliche Zitate lasse ich an dieser Stelle aus Höflichkeit einmal weg – und weigern sich, erneute Wanderungen mit schwerem Gepäck zu unternehmen. Wieder andere ertragen ihr Schicksal still im Stehen.
Das mit der defekten Klimaanlage würde wohl derzeit nicht besser werden, bekommen wir über Lautsprecher mitgeteilt. Auf der Strecke sei eine Reparatur nicht möglich. Es gibt keine Chance für uns Insassen der modernen Plastikzigarren der Bahn, selbst für etwas Luftbewegung zu sorgen. Kein noch so kleines Fenster lässt sich öffnen, kein Ventilator in Betrieb setzen. Fast alle Fahrgäste sehen inzwischen wie gegelt aus. Schräg gegenüber eine Familie mit Kindern, denen die „Suppe am Gesicht herunterläuft“. Eine Weile bewahren sie bewundernswert die Ruhe. Dann doch immer wieder weinende Kinderstimmen aus allen Ecken des Wagens.
Es ist unerträglich heiß! Entspannungsübungen. Die Zeit will nicht vergehen. Durchhalten! – Kurz vor Göttingen schleicht eine Bahnangestellte durch den Gang, in der Hand einen kleinen Karton mit – wenn ich es richtig gesehen habe – einigen Mini-Tetrapacks Saft. Es wäre doch eine gute Idee, geht mir dabei durch den Kopf, eine schöne Geste...
Göttingen: Endlich raus aus der heißen Bahn-Zigarre! Im Kopfbereich des Zuges haben auch einige Bahnmitarbeiter – Lokführer, Bahnbegleiter, ... – den Zug zum Plausch auf dem Bahnsteig verlassen. Gespräche mit Fahrgästen finden nicht statt. Ich unternehme einen Versuch sie anzusprechen: „Wäre es nicht eine gute Idee gewesen, den Fahrgästen kostenlos Wasser anzubieten?“ Keine Reaktion – außer bei den Mitreisenden, die ebenfalls in Göttingen ausgestiegen waren. Hier erntete ich zustimmenden Applaus.
Am Infostand der DB in Göttingen: Erschöpft trage ich die Ereignisse in sachlicher Form knapp vor und bitte um Erstattung des am Bremer Bahnhof gezahlten Zuschlages von 9 Euro. Nicht ein Ton kommt über die Lippen der Dame am Servicestand. Stattdessen hackt Sie wortlos etwas in die Tastatur Ihres Computers. Dann öffnet Sie doch noch Ihren Mund: „Sie müssen Ihre Beschwerde schriftlich einreichen.“ Spricht es und überreicht mir einen visitenkartengroßen Zettel auf dem steht: „Sehr geehrter Fahrgast, Sie haben eine Beschwerde oder eine Anregung für uns, auch über Lob würden wir uns freuen.“
Dieter Eikenberg hat diese Erlebnisse auch der Deutschen Bahn geschildert und um Stellungnahme und Entschädigung gebeten! Um Stellungnahme hat auch der ExtraTiP gebeten – bis heute ist aber keine Antwort gekommen. Vielleicht kommt sie mit Verspätung?!


