Donnerstag, 09. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 08.02.2012 um 02:49 Uhr


Leserservice

Haben Sie Fragen, Anre- gungen oder Probleme mit der Zustellung?

Extra Tip Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9:00 - 18:00 Uhr
Prinzenstraße 10-12
37073 Göttingen

Beförderung der behinderten Schüler

Kommune muss sparen,
Eltern haben Angst

Die Beförderung der behinderten Schüler wird neu ausgeschrieben, die Eltern befürchten Schwierigkeiten. Foto: privat

Die Beförderung der behinderten Schüler wird neu ausgeschrieben, die Eltern befürchten Schwierigkeiten. Foto: privat

Alle Jahre wieder…, könnte man sagen. Die klammen Kommunen sind immer wieder auf der Suche, wie man Geld einsparen kann. Zurzeit ist die Beförderung von behinderten Schülern ist ein großes Thema. Die Leistung muss EU-weit ausgeschrieben werden, um möglich Einsparungspotenziale herauszufinden. Und wie es scheint, kommt es zu Problemen: Eltern von behinderten Kindern befürchten, dass ihre Kinder nicht abgeholt werden – oder dass die Kinder nicht korrekt in die Schule transportiert werden.

(Göttingen / bb) „Werden die Kinder richtig angeschnallt? Sind neue Mitarbeiter auch in der Lage die Kinder richtig zu tragen? Kann schnell ein Vertrauensverhältnis zu den neuen Fahrern ausgebaut werden?“, so die Sorgen der Eltern. Was sagt der für die Personenbeförderung zuständige Landkreis Göttingen dazu?
„Aufgrund der Überschreitung des EU-Schwellenwertes bestand die rechtliche Verpflichtung, für die Leistungen in der Schülersonderbeförderung eine europaweite Ausschreibung durchzuführen“, so die stellvertretende Landrätin Christel Wemheuer. „Die Standards sind im Leistungsverzeichnis festgeschrieben (u. a. die Sicherheit betreffend) und gelten verbindlich für alle Anbieter. Das jeweils günstigste Angebot erhält den Zuschlag.“ Vor dem Hintergrund einer Optimierung der Beförderungssituation der behinderten Kinder sei dieser Ausschreibung ein geänderter Tourenplan zugrunde gelegt worden.

Sorgen machen sich die Eltern, weil viele Stellen als Busfahrer/in für den Behindertentransport in den Stellenangeboten der Arbeitsagentur auffielen – für den Behindertentransport im Landkreis Göttingen werden mehrere Kraftfahrer/-innen gesucht. Zwischen 6,70 und 8,30 Euro soll von einem Duderstädter Unternehmen bezahlt werden.
Doch wie es scheint, ist das letzte Wort noch nicht gesprochen: „Zurzeit ist ein Nachprüfungsverfahren bei der Vergabekammer Lüneburg anhängig, das Ergebnis des Verfahrens bleibt abzuwarten“, so Wemheuer, aber es sei sichergestellt, dass die Kinder abgeholt würden. In schönstem Beamtendeutsch heißt das dann: „Die Schülersonderbeförderung zu Beginn des Schuljahres 2010 / 2011 wird durch eine vorläufige Auftragsvergabe gewährleistet.“

„Es kann doch nicht sein, dass die Eltern immer noch nicht Bescheid wissen“, so Manfred Grönig, Geschäftsführer des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes. „Es scheint, dass die Ausschreibung falsch war.“ Und: „Wirtschaftliche und wettbewerbsrechtliche Dinge sollten beim Behindertentransport eine untergeordnete Rolle spielen“, so Grönig.
Die Behindertenverbände wollen die betroffene Firma Rizor und den Landkreis einladen und am Dienstag, 20. Juli um 14 Uhr bei der Selbsthilfe Körperbehinderter, Neustadt 7, in Göttingen zum Thema befragen. Die Behindertenbeauftragten von Stadt und Landkreis sind auch dabei.

Und es passt ins Thema, dass gerade in dieser Zeit auch die Nachfrage nach Betreuung von behinderten Kinder aufkommt. Denn auch hierfür gibt es derzeit wenig Möglichkeiten. Die Probleme der Eltern sind groß, weil während die Kinder im Jahr 75 Tage Ferien haben, stehen Arbeitnehmer 25 bis 30 Tage Urlaub zu. „Es wäre sehr gut, wenn sich die Stadt Göttingen darüber Gedanken machen würde, wie sie diese Lücke schließen könnte“, so die Mutter einer 9-jährigen behinderten Tochter. Sie weiß, dass viele andere Eltern in ähnlicher Situation sind – und schaut immer auf die Vielzahl der Angebote in Stadt und Landkreis. „Behinderte Kinder müssen leider meist zu Hause bleiben“, bedauert sie und fordert ein angemessenes Angebot für eine Ferienbetreuung.

zurück