Samstag, 04. Februar 2012

- letzte Aktualisierung: 04.02.2012 um 22:47 Uhr


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Initiative gegen Dauerbeschallung

Lautsprecher aus!

In der Göttinger Autobahnraststätte gibt es auf Wunsch nur Verkehrsfunk auf die Ohren: Chef Jörg Nieswandt (r.) und Betriebstechniker Stefan Eichenberg. Foto: bb

In der Göttinger Autobahnraststätte gibt es auf Wunsch nur Verkehrsfunk auf die Ohren: Chef Jörg Nieswandt (r.) und Betriebstechniker Stefan Eichenberg. Foto: bb

Marketingstrategen tüfteln mit großer Akribie am Sound, der beim Einkaufen für besonders gute Laune und damit für größeren Umsatz sorgen soll. Im Restaurant wird zumeist „heimische“ Musik gespielt und selbst beim Herrn Doktor oder dem Friseur dudelt oft den ganzen Tag Musik – ganz zu schweigen von der berühmt-berüchtigten Fahrstuhlberieselung. Dagegen wehren sich immer mehr Menschen, auch in Göttingen und Umgebung. Eine Bestandsaufnahme.

(Göttingen / bb) Immer mehr Informationen stürzen auf die Menschheit ein: das Handy ist ein ständiger Unruheherd, E-Mails machen das Leben auch nicht immer einfacher und dann wird man auch noch mit Musik beschallt – irgendwann kommt es dann zum Informationsüberlauf.
Immer mehr Menschen macht es geradezu aggressiv, wenn sie in ein Geschäft hineinkommen und dort mit Musik beschallt werden. Zumeist verlassen sie es wieder, ohne etwas gekauft zu haben. Selbst beim Zahnarzt gibt’s Musik, den einen gefällt’s, weil es ablenkt – den anderen nervt es gewaltig. Eine Gruppe Menschen, denen die Dauerbeschallung gar nicht gefällt, hat sich bundesweit zu einem Verein zusammengeschlossen. Er hat den Namen „pipedown – Lautsprecher aus! e.V.“ und hat sich zum Ziel gesetzt, dass anerkannt wird, dass der „akustischen Raum Gemeingut ist, der allen gehört“.
Mit einer Petition an die Fraktionen des Deutschen Bundestages ersuchen die Unterzeichnenden die Abgeordneten, sich dafür einzusetzen, dass die rechtlichen Bestimmungen zum Schutz der Bürger vor „unerwünschter und vermeidbarer Beschallung mit Musikkonserven“ erheblich verbessert werden.
Auch in Südniedersachsen gibt es bereits Unternehmen, die diese Initiative unterstützen. Dabei ist das Romantik Hotel Gebhards in der Goetheallee, das Autobahn - Rasthaus Göttingen-West, der „Dorotheenhof“ in Deiderode sowie das Hotel und Restaurant „Biewald“ in Friedland. In diesen Häusern ist es überhaupt kein Problem, den Wirt anzusprechen und es wird „sofort auf Ersuchen des Gastes still“. „Wir sehen das als einen Service für unsere Kunden an“, so Jörg Nieswandt, Pächter des Autobahn-Rasthauses Göttingen-West. „Musik läuft bei uns nur, wenn das Lokal leer ist, denn es macht keinen Spaß in eine völlig stillen Raum hinein zu gehen“, so Nieswandt. Wenn Besucher da seien, werde die Musik ausgestellt. „Nur Verkehrsmeldungen für unsere Strecken hört man bei uns immer!“ – ein weiterer Service des Hauses an der Autobahn.
Was halten ExtraTiP-Leser von der alltäglichen Berieselung mit Musik? Mehr davon oder sollte man es grundsätzlich verbieten? Schicken Sie uns Ihre Meinung an redaktion@extratip-goettingen.de.

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