Donnerstag, 17. Mai 2012

- letzte Aktualisierung: 17.05.2012 um 02:24 Uhr


Leserservice

Haben Sie Fragen, Anre- gungen oder Probleme mit der Zustellung?

Extra Tip Öffnungszeiten:
Mo. bis Fr. 9:00 - 18:00 Uhr
Prinzenstraße 10-12
37073 Göttingen

Über den GWG-Nachfolger und Organisationshoheit

Wilde Göttinger Schiebereien

Claudia Leuner-Haverich und Wolfgang Meyer – hier gemeinsam im Briefzentrum auf der Siekhöhe.	Foto: Wenzel

Claudia Leuner-Haverich und Wolfgang Meyer – hier gemeinsam im Briefzentrum auf der Siekhöhe. Foto: Wenzel

Über die Jahre hinweg hat sich die Gesellschaft für Wirtschaftsförderung und Stadtentwicklung Göttingen mbH (GWG) zu einem sehr etablierten Unternehmen in der Region Südniedersachsen entwickelt. Von der Lokhalle bis zum Güterverkehrszentrum – vieles, was die Mitarbeiter um Geschäftsführer Klaus Hoffmann angefasst haben, kam letztendlich zu einem sehr guten Ende. Doch nun rumort es heftig. Hoffmann wird dieses Jahr ausscheiden, der ExtraTiP berichtete, und die Suche nach einem Nachfolger ist in vollem Gange. Oder ist sie gar schon abgeschlossen? Hat sich Göttingens Oberbürgermeister Wolfgang Meyer schon auf eine Nachfolgerin festgelegt? Der ExtraTiP geht auf Spurensuche und muss entdecken, dass Göttingen so weit von Berlin dann doch nicht entfernt ist. Denn es wird geschoben, was das Zeug hält!

(Göttingen/bb) Auch wenn das die gewählten Dezernenten der Stadt wohl nicht so gern hören, der Geschäftsführerposten bei der GWG ist dem eines städtischen Dezernenten durchaus gleich zu setzen. Personalverantwortung und, was noch deutlich spannender ist, die vielen Großprojekte wie beispielsweise das Güterverkehrszentrum oder die Lokhalle und dessen Ausbau machen ihn attraktiv. Dies macht den Job sicherlich zu einem der reizvollsten und nicht unbedingt einfachsten, der in Göttingen zu vergeben ist. Denn im Zusammenspiel mit der Politik ist es nicht immer ganz leicht – schließlich ist die GWG eine 100-prozentige städtische Tochter.
Derzeit sieht es so aus, dass der Göttinger Oberbürgermeister Wolfgang Meyer für die Hoffmann-Nachfolge seine Referatsleiterin Claudia Leuner-Haverich ganz fest ins Auge gefasst hat. Aus gut informierten Quellen ist zu hören: „Das läuft nach dem guten sozialdemokratischen Motto: Die ist nun dran!“ Dabei hatten sich auch schon andere Kandidaten warm gelaufen, denen allerdings ganz schnell im SPD-Unterbezirk klar gemacht wurde, dass sie keine Chance haben.
Auch die zuerst grundsätzlich ablehnende Haltung der Grünen für diese Personalie wurde schon massiv aufgeweicht. Sie wurde wohl damit erkauft, dass man den Grünen Zugriffsrechte auf die Besetzung des Geschäftsführerpostens der Städtischen Wohnungsbau versprach. Geschäftsführer Rolf-Georg Köhler ist bis 2013 bestellt. Der 60-jährige schließt, auf Nachfrage, eine Verlängerung nicht aus.
Ebenfalls auf Nachfrage äußerte sich die Referentin des Oberbürgermeisters, Claudia Leuner-Haverich, zu ihrem Interesse: „Da müssen Sie sich an den Aufsichtsratsvorsitzenden wenden!“
Gesagt getan, aber: Der Aufsichtsratsvorsitzende wird seine Vorstellungen zur Nachfolge von Klaus Hoffmann im Aufsichtsrat am 17. Januar erläutern, sich aber vorher dazu in keiner Weise öffentlich äußern, so Stadtsprecher Detlef Johannson.
Die Christdemokraten sind ob der Verhaltensweise des Oberbürgermeisters ohnehin längst erzürnt. „So ein wichtiger Posten kann und darf nicht ohne Ausschreibung besetzt werden, wir werden ein offenes Verfahren im nächsten Aufsichtsrat dringend anmahnen“, so der CDU-Ratsfraktionsvorsitzende Fritz Güntzler. „Es muss gewährleistet sein, dass jeder sich bewerben kann und auch eine Chance bekommt. Die Zeit der Parteibuchwirtschaft muss vorbei sein“, fordert Güntzler, der zudem zu bedenken gibt, dass es eine Häufung von Geschäftsführern von städtischen Gesellschaften aus dem Kreis der Sozialdemokraten gebe. Dass die Kandidatin des Oberbürgermeisters zudem den Posten des GWG-Chefs nur als „Durchlaufstation“ für eine spätere Bewerbung für den Oberbürgermeisterposten nutzen könne, dazu wollte sich Güntzler nicht äußern.
Für die Grünen nimmt sich Ulrich Holefleisch sehr zurück. „Wenn Stellen neu besetzt werden, dann sollte man sie ausschreiben, das ist klar“, so Holefleisch. „Wir lassen derzeit rechtlich prüfen, ob der Oberbürgermeister auch bei Gesellschaften der Stadt eine Organisationshoheit hat.“ Holefleisch ist sich sicher, dass es ganz viele Leute gebe, die Interessen an dieser Stelle hätten.

zurück