(henk) Vor dem Landgericht Göttingen hat in dieser Woche der Prozess gegen einen 53-Jährigen Göttinger begonnen, der im vergangenen Herbst vor einer Apotheke in Grone zwei Frauen umgebracht haben soll. Angesichts der Corona-Krise fand der Prozess vor einer stark eingeschränkten Anzahl von Zuschauern und Pressevertretern statt.
Die Staatsanwaltschaft wirft dem Angeklagten Frank N. zweifachen Mord vor. In einem Fall  sieht sie die Mordmerkmale der niederen Beweggründe und der Grausamkeit als erfüllt an, im zweiten Fall das Mordmerkmal der Ermöglichung und Verde­ckung einer anderen Straftat. Zusätzlich wirft die Anklagebehörde dem 53-Jährigen noch gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen vor.
Laut Anklageschrift soll der Angeschuldigte sich am 26. September vergangenen Jahres gegen Mittag zu der Apotheke in Grone begeben haben, um seine Ex-Partnerin zu töten; die habe sich zuvor von ihm getrennt. Das habe Frank N. nicht akzeptieren wollen, ebenso wenig wie eine eventuelle neue Beziehung der Frau.
Frank N. habe ein langes Messer und eine brennbare Flüssigkeit dabei gehabt. Er habe die Frau angehalten, die gerade mit dem Fahrrad ihre Arbeitsstelle verlassen hatte. Dann soll er sie mit der Flüssigkeit überschüttet und angezündet haben. Anschließend habe er die flüchtende Frau verfolgt und ihr insgesamt 25 gezielte Stich- und Schnittwunden zugefügt. Dabei habe er das Opfer am Herzen und an der Aorta getroffen, woran dieses innerhalb von Minuten verstorben sei. Frank N. habe auch versucht, sein Opfer ein weiteres Mal anzuzünden  Er habe Personen, die Hilfe leisten wollten, verfolgt und gegen sie Todesdrohungen ausgestoßen. Einer der Helfer habe Frank N. mit einem Feuerlöscher beworfen. Frank N. soll sein Opfer daraufhin mit Brandbeschleuniger übergossen und erneut angezündet sowie ihm den Feuerlöscher an den Kopf geworfen haben.
Eine hinzukommende Arbeitskollegin des ersten Opfers habe Frank N. ebenfalls mit drei Messerstichen angegriffen. Einer davon traf das Herz der Frau, die wenig später in der Göttinger Universitätsklinik verstarb. Eine  weitere Passantin habe Frank N. mit dem Messer am Oberarm verletzt. Einem Mann, der ebenfalls zur Hilfe geeilt sei, habe er mit dem Messer in die Hand gestochen.
Während des Tatgeschehens soll der Angeklagte Drohungen ausgestoßen haben wie: „Mich betrügt man nicht“ oder „Mischt euch nicht ein, sonst steche ich euch ab!“ Anschließend sei er mit seinem Fahrrad geflüchtet. Soweit die Anklageschrift.
Das Gericht plant, bis in den Sommer hinein zu prozessieren. Beim nächsten Verhandlungstermin am 14. April will Frank N. eine Aussage machen.
Das Tötungsdelikt in Grone hatte im Herbst die ganze Stadt in Atem gehalten. Ein Großaufgebot der Polizei hatte mit Mannschaften, Spürhunden und Hubschrauber nach dem Flüchtigen Frank N. gefahndet; erst im Göttinger Stadtgebiet, dann in praktisch ganz Südniedersachsen. Der hatte sich mit der Polizei ein regelrechtes Katz- und Maus-Spiel geliefert. Seine Flucht per Fahrrad, Zug und Taxi führte ihn dabei bis nach Hannover. Ein Zugriff gelang der Polizei am Tag nach der Tat in Göttingen: Zeugen hatten Frank N. vor einem Imbisslokal in der Weender Straße erkannt und die Polizei verständigt.